26.08.2012

Deichverteidigung: Gemeinsame Ausbildung beim THW Lehrte

THW, Feuerwehren und DLRG trainieren die Hochwasserbekämpfung

Lehrte. Im Zusammenhang mit dem 10. Jahrestag der Hochwasserkatastrophe an der Elbe und im Muldetal erinnerten im Lauf des August eine Vielzahl von Medienberichten an das Ausmaß, die massiven Schäden und das Leid der Menschen im Sommer 2002 in diesen Gebieten. Obwohl diese Katastrophe mittlerweile ein Jahrzehnt zurückliegt, ist das Thema nach wie vor aktuell und wesentlicher Bestandteil der Ausbildung beim Technischen Hilfswerk (THW). Hierzu führten ehrenamtliche Helfer vom THW Ortsverband Lehrte in Zusammenarbeit mit Vertretern der Feuerwehren und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) eine mehrtägige Ausbildung zum Thema Deichverteidigung durch.

Die Ausbildung zur Deichverteidigung startete zunächst mit einem 4-stündigen theoretischen Teil, in dem auf die Grundlagen und das Verhalten im Hochwassereinsatz eingegangen wurde. Darüber hinaus wurden hierbei die Grundlagen für die Deichverteidigung anhand von Schadensbildern an betroffenen Deichen besprochen. Hier konnten die Lehrter THW-Helfer aus ihren Erfahrungen schöpfen, die sie im Rahmen ihrer Einsätze beim Elbe- und Muldehochwasser vor 10 Jahren in Grimma, Dessau und Perleberg gesammelt hatten.

Um die in der Theorie erarbeiteten Grundlagen anschließend auch in der Praxis zu üben, mussten die Teilnehmer des Technischen Zuges und der Fachgruppe Führung und Kommunikation vom THW Lehrte, die Kameraden der Ortsfeuerwehren Ahlten, Burgdorf, Dollbergen und Hänigsen sowie der DLRG Sehnde zunächst mehr als 1000 Sandsäcke füllen. Bereits hierbei konnten die theoretischen Kenntnisse angewandt werden, denn eine Einhaltung des korrekten Befüllungsgrades der Sandsäcke ist sehr wesentlich für das sorgfältige Verschließen und Verlegen der Säcke beim Deichbau.

Am Samstag traf sich dann die gesamte Ausbildungsgruppe, um in der praktischen Anwendung zu lernen, wie die Sandsäcke für die verschiedenen Schadensszenarien adäquat eingesetzt werden können. Um ein stabiles Sandsackbauwerk zu errichten, mussten die Teilnehmer auf einen dichten Verbund der Sandsäcke sowie eine saubere Verlegungstechnik achten. Fachlich angeleitet wurden sie hierbei von Miriam Glinka (Gruppenführerin und Technische Beraterin für Deichverteidigung im THW) und Jacqueline Rausch, die sich beide an der THW-Bundesschule in Hoya/Weser für das Themengebiet Deichverteidigung weitergebildet und spezialisiert haben. Zunächst wurde eine sogenannte Auflast mit Filter gebaut, um mögliche flächige Sickerwasseraustritte an einem aufgeweichten Deich kontrolliert ableiten zu können. Um eine punktuelle Quelle zu sichern, erlernten die Teilnehmer anschließend den Bau einer sogenannten Quellkade. Natürlich wurde auch ein Sandsackdamm (Aufkadung) errichtet, der eingesetzt wird, um niedrige Deichabschnitte zu erhöhen oder Bauwerke zu schützen.

Auch auf die Alternativen zum Sandsack, der als das meistgenutztes Mittel zur Sicherung von Deichen eingesetzt wird, wurde eingegangen. So lernten die Helfer von THW, Feuerwehr und DLRG auch eine schnelle und effektive Möglichkeit kennen, wie ein Deich mit Hilfe eines Palettensystems behelfsmäßig um ca. 60 cm in kurzer Zeit und mit nur wenigen Helfern als Notdeich errichtet werden kann. Darüber hinaus lernten die Teilnehmer das Herstellen einer sogenannten Bekleidungsfaschine. Hierbei handelt es sich um ein walzenförmiges Reisigbündel, das zum Sichern von beschädigten Deichen eingesetzt werden kann.

Zum Abschluss der Ausbildung stand für alle Teilnehmer fest, dass der richtige Einsatz von Sandsäcken im Hochwassereinsatz und das Thema Deichverteidigung weiter geschult und trainiert werden muss. Zu diesem Zweck plant der THW Ortsverband Lehrte einen sogenannten „Nassen Übungsdeich“ auf seinem Gelände an der Ahltener Straße zu errichten. Hier wird es künftig möglich sein, die Deichverteidigung unter realistischen Bedingungen auszubilden und dabei sogar an simulierten Sickerwasseraustritten zu üben.

Für die vom THW Lehrte durchgeführte organisationsübergreifende Ausbildungsveranstaltung gab es von allen Seiten sehr großen Zuspruch. Hier zeigte sich einmal mehr, dass die Helfer der verschiedenen Hilfsorganisationen sehr gut und kameradschaftlich zusammenarbeiten.


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